Artikel

Aminosäuren – Bausteine des Lebens

Aminosäuren – Bausteine des Lebens

Artikel herunterladen (PDF)

Alles was lebt besteht aus Eiweiß. Die ganze Natur – egal ob Pflanze, Tier oder Mensch – ist aus Eiweiß aufgebaut. Das Gesamt-Eiweiß setzt sich aus den einzelnen Aminosäuren zusammen, wovon wiederum acht für den Menschen essentiell sind. Essentiell bedeutet, dass diese Eiweißbausteine wie ein Vitamin von außen zugeführt werden müssen. Da viele der Faktoren, die uns leistungsfähig machen, aus Eiweiß aufgebaut sind, ist das Eiweiß der Leistungsparameter schlechthin.

Im Sport weiß man das schon lange. Das sauerstofftransportierende Hämoglobin beispielsweise besteht zu einem Prozent aus Eisen und zu 99% aus Eiweiß. Daraus folgt zwangsläufig: tiefes Eiweiß, tiefes Hämoglobin. Und es ist ganz egal, ob wir unser Geld mit den Muskeln (Leistungssport) oder mit dem Gehirn (Kopfarbeiter) verdienen. Beide Organe arbeiten mit mehr Sauerstoff deutlich besser. Auch das Immunsystem besteht aus Eiweiß. Bei hohen Eiweißwerten im Blut ist man deutlich weniger anfällig für Infektionen.

Den größten Einfluss hat das Eiweiß aber auf unsere Stimmungshormone. Denn 3 von den 8 essentiellen Eiweißbausteinen, die so genannten psychotrophen Aminosäuren, sind ausschließlich für das Gehirn zuständig. Aus dem gehirnaktiven Eiweißbaustein Tryptophan bildet der Körper das Hauptstimmungshormon Serotonin. Aus der Aminosäuren Phenylalanin bildet der Körper die Antriebshormone Dopamin und Noradrenalin. Sind diese Hormone bedingt durch einen Eiweißmangel zu niedrig, fällt es Ihnen schwerer morgens aufzustehen sich für die Aufgaben des Tages zu motivieren. Bei hohen Spiegeln dagegen springen Sie dagegen tatendurstig und angriffslustig aus dem Bett und freuen sich auf die Herausforderungen des Tages. Bei tiefen Spiegeln haben Sie Angst vor der Arbeit. Stehen die Hormone aber in ausreichender Konzentration zur Verfügung, hat die Arbeit Angst vor Ihnen.

Eiweißmangel messen wir sehr viel häufiger als man glaubt. Besonders Frauen, die Kinder bekommen haben, erholen sich lange Zeit nicht vom Eiweißmangel. Denn das im Mutterleib heranwachsende Kind wird aus den Aminosäuren der Mutter aufgebaut. Über die Nabelschnur gehen diese Aminosäuren 8-fach höher konzentriert (als im Blut der Mutter) in das Kind über. Das Eiweiß fehlt dann bei der Mutter. Daraus resultieren die häufigen Wochenbettdepressionen. Über die Muttermilch wechseln ebenfalls viele Eiweißbausteine ihren Besitzer. Nach zwei bis drei Kindern laufen viele Mütter nur noch auf Notstrom. Die frühere glucksende Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit und Belastbarkeit gehören dann der Vergangenheit an.

Aber auch durch Stress verlieren wir viel Eiweiß. Denn im Stressstoffwechsel werden diese wertvollen Aminosäuren für das Gehirn als Energie verbrannt – und fehlen dann für den Hormonaufbau. Wenn diese „mentalen Rückenwindhormone“ weniger produziert werden, steigt die subjektiv empfundene Arbeitsbelastung- wodurch wieder mehr Stresshormon ausgeschüttet wird. Die Burnout-Abwärtsspirale beginnt.

Wehret den Anfängen. Glücklich kann sich schätzen, wer einen Eiweißwert im Blut von über 8.0 mg/dl hat. Antriebslos und leistungsschwächer sind dagegen die Menschen, deren Blut einen Eiweißwert unter 7.0 mg/dl aufweist. Diese Menschen befinden sich noch weit unter ihren Möglichkeiten. In meiner Praxis messe ich neben dem Gesamt-Eiweiß (das jeder Arzt messen kann) auch die essentiellen gehirnaktiven Aminosäuren. Wenn man hier Defizite erkennt und ausgleicht, kann man individuell und gezielt gegen Frühjahrsmüdigkeit, Antriebsarmut und sogar Depression vorgehen. Ganz praktisch erhalten diese Patienten neben einem eiweißreichen und fettarmen Ernährungsplan (Beispiele: Pellkartoffeln mit Quark, Wildreis mit Shiitake-Pilzen) spezielle Nahrungsergänzungen, um die laborchemisch gemessenen Defizite auszugleichen.