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Die Ketogene Diät

Die Ketogene Diät

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Die Inuit verstoßen konsequent gegen alle gültigen Ernährungsprinzipien –und zählen dennoch zu den gesündesten Völkern der Welt. Sie wohnen im hohen Norden, wo man bekanntlich nichts anpflanzen kann. Sie ernähren sich von Fisch und dem Fleisch von fetten Robben und Walrössern. Kohlenhydrate fehlen komplett auf dem Speiseplan. Trotzdem kennen die Inuits – solange sie fern der Zivilisation und des Supermarktes wohnen – weder Karies, noch Bluthochdruck, noch Diabetes. Sie ernähren sich hauptsächlich von tierischen Proteinen und Fetten. Ähnlich haben auch unsere Vorfahren gelebt, bevor wir vor 10 000 Jahren mit Ackerbau begonnen haben. Unsere Ahnen lebten von der Jagd, sammelten Beeren und Nüsse. Wäre das falsch gewesen, wären wir heute nicht da. Die Menschheit wäre schon längst ausgestorben.

Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten wir uns aber möglichst fettarm und dafür kohlenhydratreich ernähren. So wie das auch die Amerikaner fast ein halbes Jahrhundert lang gemacht haben. Das Ergebnis war eine allgemeine, unübersehbare Körperfettzunahme bei der Bevölkerung. Die Menschen wurden immer dicker und kränker anstatt dünner und gesünder. Sogar die Cholesterinwerte wurden schlechter, obwohl kaum Fette mit der Nahrung aufgenommen wurden. Bill Clinton hat da zumindest für sich persönlich schon vor Jahren die Notbremse gezogen. Kategorisch verbannte er Backwaren, Nudeln, Reis und Kartoffeln aus dem Weißen Haus. South Beach Diät heißt seine vom amerikanischen Kardiologen Arthur Agatston entwickelte Variante der kohlenhydratarmen Ernährung, mit der sich der Ex-Präsident von den überflüssigen Pfunden der Staatbankette befreite. Der Vorteil: je weniger Kohlenhydrate man isst, desto schlanker und gesünder wird man. Langjährige Studien konnten bisher keine Risiken bei der dauerhaften Ernährungsumstellung auf mehr Proteine, Fette und weniger Kohlenhydrate nachweisen. Im Gegenteil: Das Gewicht schmilzt, bei Typ-2-Diabetikern sinkt der Blutzucker, bei Hypertonikern sinkt der Blutdruck. Da wundert es sowohl den aufgeklärten Arzt als auch den interessierten Laien, warum die Fachgesellschaften wie die DGE, die deutsche Diabetes- oder die Deutschen Adipositas-Gesellschaft weiterhin auf den hohen Kohlenhydrat-Anteil in der Nahrung bauen.

Auch für weitere Krankheitsbilder werden die Vorteile einer kohlenhydratarmen Diät diskutiert. Schon 1921 entdeckten Forscher der Mayo-Klinik, dass eine protein- und fettreiche aber kohlenhydratarme Diät die Anzahl der Krampfanfälle bei Epileptikern verringerte. Auch bei Schlaganfall, chronischer Müdigkeit, Depression, Migräne, multipler Sklerose, Demenz, Parkinson und Alzheimer verringert eine kohlenhydratarme Diät häufig das Auftreten der Krankheit bzw. die Beschwerden. Sogar bei Krebserkrankungen wird eine heilsame Wirkung diskutiert. Derzeit laufen weltweit 7 Studien, in wie sich diese spezielle Ernährungsart auch günstig auf den Verlauf von Krebserkrankungen beim Menschen auswirkt. Im Tierversuch ist das schon längst bewiesen.

Krebszellen lieben Kohlenhydrate, sprich Zucker. Wenn man beim Krebskranken eine radioaktiv markierte Zuckerlösung intravenös spritzt, kann man schon nach 15 Minuten erhöhte Radioaktivität in den Krebszellen bzw. den Metastasen feststellen. Hier geht auch die moderne Krebstherapie neue Wege. Dabei wird das Chemotherapeutikum zunächst an einen Zucker gekoppelt und erst dann infundiert. Schnurstraks transportiert der Zucker den Wirkstoff fast komplett in die Krebsnester. Der Vorteil: man benötigt nur 20 % der regulären Dosis und die Kollateralschäden sind deutlich geringer.

Wenn dem Körper keine Kohlenhydrate zugeführt werden, stellt er in der Leber aus Fett Ketonkörper als Zuckerersatz her. Die ersten 2 Tage ist das eine spürbare Umstellung. Man ist etwas müder und schlapper als gewöhnlich. Der Körper muss die Ketonkörper ja erst produzieren. Danach ist man aber leistungsfähiger als vorher –nicht nur am Schreibtisch. Auch im Ausdauersport meiden immer mehr Profisportler die Nudelpartys vor dem Wettkampf.

Viele Menschen profitieren auch gewichtsmäßig von der hormonellen Umstellung, die eine ketogene Diät begleitet. Bedingt durch die Kohlenhydrate wird nach jeder Mahlzeit das Masthormon Insulin ausgeschüttet. Erst dadurch wandern die Kalorien auf die hohe Kante. Nur in Abwesenheit von Insulin kann der Körper den Gegenspieler, das Abnehmhormon Glukagon ausschütten. Bei der Gesundheit meiner Patienten habe ich die besten Erfahrungen damit gemacht. Probieren Sie es doch einfach mal aus!