Das Jung­brun­nen Hormon

Der Traum von der ewi­gen Jugend beschäf­tigt die Mensch­heit schon lan­ge. Im Bild von Lucas Cra­nach stei­gen alte Men­schen auf der lin­ken Sei­te in einen Zau­ber­brun­nen, um auf der rech­ten Sei­te um Jahr­zehn­te ver­jüngt wie­der her­aus zu stei­gen. Noch haben wir die­sen omi­nö­sen Jung­brun­nen nicht wirk­lich gefun­den. Mit einer Flüs­sig­keit hat die Ver­jün­gung aber doch etwas zu tun. Aller­dings han­delt es sich um nur ganz weni­ge Trop­fen eines begehr­ten kör­per­ei­ge­nen Hor­mons. Wis­sen­schaft­li­cher Name: Human Growth Hor­mo­ne (HGH), Soma­to­tro­pin – oder mensch­li­ches Wachs­tums­hor­mon. Das ist der Zau­ber­stoff, der unser Altern ver­lang­samt und uns sogar wie­der spür­bar jün­ger machen kann. HGH ist das stärks­te ana­bo­le (auf­bau­en­de) Hor­mon das wir ken­nen. Im Sport ist es dar­um das Doping-Mit­tel schlecht­hin. Es beschleu­nigt wie kei­ne ande­re Sub­stanz den Mus­kel­auf­bau und for­ciert gleich­zei­tig den Fett­ab­bau. In Palm Springs, in den U.S.A. auch bekannt unter dem Syn­onym „Das War­te­zim­mer Got­tes“, leben vie­le gut betuch­te alte Ame­ri­ka­ner. Dar­um ist die­ser Ort eine Pil­ger­stät­te für Ver­jün­gung und Lebens­ver­län­ge­rung. Vie­le Ärz­te haben sich dort auf Hor­mon­be­hand­lun­gen bei älte­ren Men­schen spe­zia­li­siert. Jeder Sport­ler wür­de nach so einem Hor­mon­cock­tail wegen uner­laub­tem Doping auf Jah­re hin disqualifiziert.

Doping liegt uns natür­lich fern. Unse­re natür­li­che kör­per­ei­ge­ne Pro­duk­ti­on ist dage­gen legal. Und genau um die wol­len wir uns küm­mern. Das Jung­brun­nen-Hor­mon wird in der Hypo­phy­se, der Hirn­an­hangs­drü­se gebil­det. In der Jugend errei­chen wir logi­scher Wei­se sehr hohe Spie­gel die­ses Hor­mo­nes, wel­ches neben dem Mus­kel­auf­bau auch das Kno­chen­wachs­tum anregt. Aber auch nach Abschluss des Wachs­tums bleibt das Hor­mon wei­ter wich­tig. Denn nach­las­sen­de Spie­gel indu­zie­ren die Alte­rungs­pro­zes­se wie Mus­kel­ab­bau, Fett­auf­bau und Kno­chen­schwund. Aber auch Elan und Schwung ver­lie­ren wir, wenn das Hor­mon abebbt.

In gewis­sen Gren­zen kön­nen wir die Pro­duk­ti­on und die Aus­schüt­tung die­ses Hor­mo­nes selbst beein­flus­sen. In den ers­ten Nacht­stun­den ist die Pro­duk­ti­on und Aus­schüt­tung am höchs­ten. Dar­um zählt der Schlaf vor Mit­ter­nacht dop­pelt. 3 wei­te­re Fak­to­ren kön­nen die kör­per­ei­ge­ne Pro­duk­ti­on dros­seln und dadurch vor­zei­ti­ge auf­tre­ten­de Alte­rungs­pro­zes­se indu­zie­ren: Der ers­te Feind heißt Zucker bzw. Koh­len­hy­dra­te ganz all­ge­mein. Alle Koh­len­hy­dra­te wer­den ja wie Sie wis­sen erst in die ein­zel­nen Zucker­mo­le­kü­le zer­legt, bevor sie auf­ge­nom­men wer­den. Zucker wie­der­um lockt Insu­lin ins Blut. Insu­lin und HGH sind erbit­ter­te Gegen­spie­ler. Wer also abends beim Ita­lie­ner eine Por­ti­on Pas­ta ver­drückt, der geht mit einem hohen Insu­lin­spie­gel ins Bett. Das bremst die HGH – Aus­schüt­tung. Ide­al wäre dar­um ein eiweiß­rei­ches, koh­len­hy­drat­ar­mes Abend­essen. Man­che Diät­for­men (Schlank im Schlaf) nut­zen genau die­sen Effekt der ver­bes­ser­ten HGH-Aus­schüt­tung zur Fett­ver­bren­nung über Nacht.

Alko­hol ist die zwei­te HGH-Brem­se. Schon weni­ge Gramm genü­gen, um die Aus­schüt­tung der Hypo­phy­sen­hor­mo­ne zu dros­seln bzw. ganz zu unter­bin­den. Dar­um ist das nach land­läu­fi­ger Mei­nung so gesun­de täg­li­che Gläs­chen Rot­wein viel unge­sün­der als all­ge­mein ange­nom­men. Hier lau­tet die Devi­se: Lie­ber ein­mal im Monat bis zum Ver­lust der Mut­ter­spra­che – das ist gesün­der als das täg­li­che Spie­gel­gläs­chen. Gemeint ist: Wer nicht regel­mä­ßig Alko­hol trinkt, ver­trägt auf einer Ein­la­dung sehr viel weni­ger als der geüb­te Trin­ker und hört demen­spre­chend frü­her auf.

Der drit­te Gegen­spie­ler ist ein erhöh­tes Stress­hor­mon Cor­ti­sol. Das ist heut­zu­ta­ge nicht nur bei Mana­gern viel zu häu­fig erhöht. Die kri­ti­sche Ober­gren­ze liegt bei 20.0 µg/dl, opti­ma­ler Ziel­be­reich sogar bei 10.0 µg/dl. Höhe­re Wer­te blo­ckie­ren genau wie das Insu­lin die Aus­schüt­tung das Wachs­tums­hor­mo­nes. Cor­ti­sol ist wie wir wis­sen der stärks­te Ver­tre­ter der kata­bo­len (abbau­en­den) Hor­mo­ne. Gas gegen und brem­sen gelingt nicht gleich­zei­tig. Cor­ti­sol ist immer stär­ker als HGH! Regel­mä­ßi­ge Ruhe­zei­ten, guter Schlaf, leich­tes kör­per­li­ches Aus­dau­er­trai­ning und Media­ti­on sind pro­ba­te Mit­tel, um über­schüs­si­ges Cor­ti­sol abzu­bau­en. In mei­ner Pra­xis mes­se ich die­se Wer­te, auf die bei den nor­ma­len Unter­su­chun­gen viel zu wenig geach­tet wird.

Sicher­lich wird man es nicht immer schaf­fen, in jeder Nacht für eine opti­ma­le Aus­schüt­tung die­ses wert­vol­len Jung­brun­nen-Hor­mo­nes zu sor­gen. In jedem Fall aber soll­te man die sys­te­ma­ti­schen Feh­ler ver­mei­den, die aus rei­ner Unwis­sen­heit ent­ste­hen. Sonst lau­fen wir Gefahr, ganz schnell ganz alt zu werden!

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Dr. med. Spitzbart

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Facharzt für präventive und orthomolekulare Medizin

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Dr. Spitzbart ist spezialisiert auf präventive und orthomolekulare Medizin und leitet die erste Praxis in Österreich für Gesunde.

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