Nah­rungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­kei­ten

Nah­rungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­kei­ten kom­men viel häu­fi­ger vor als gedacht und haben mehr Neben­wir­kun­gen als befürch­tet. Oder hät­ten Sie gedacht, dass eine Fruk­to­se­into­le­ranz bei­spiels­wei­se zu Immun­schwä­che, All­er­gien, Haar­aus­fall, früh­zei­ti­gen Alte­rungs­pro­zes­sen, Stim­mungs­schwan­kun­gen, Schlaf­stö­run­gen und sogar zu Depres­sio­nen füh­ren kann? – Doch der Rei­he nach: 30 – 60 Pro­zent der mit­tel­eu­ro­päi­schen Bevöl­ke­rung lei­det an der häu­figs­ten Unverträglichkeit:

Der Fruk­to­se­into­le­ranz

Unser Orga­nis­mus ist nicht dar­auf ein­ge­stellt, das gan­ze Jahr über Obst zu essen. Wein­trau­ben, Kiwis, Ana­nas, Man­go und Erd­bee­ren im Win­ter erschei­nen uns heu­te zwar selbst­ver­ständ­lich – nor­mal ist das aber nicht! Zudem wird das Obst durch Züch­tung immer süßer, und Frucht­zu­cker wird bei vie­len indus­tri­ell her­ge­stell­ten Nah­rungs­mit­teln groß­zü­gig bei­gesetzt. Die­se Men­ge an Fruk­to­se kann den mit­tel­eu­ro­päi­schen Darm über­for­dern, der durch die Evo­lu­ti­on immer noch an viel mehr Gemü­se als an Obst gewöhnt ist. Die Darm­bak­te­ri­en ver­stoff­wech­seln den unver­dau­ten Zucker unter star­ker Gas­bil­dung im Darm, wobei viel Was­ser­stoff (H2) frei­ge­setzt wird. Den kann man in der Atem­luft beim Aus­at­men mit einem spe­zi­el­len Test mes­sen. Der erhöh­te Druck im Dick­darm wie­der­um öff­net das Rück­schlag­ven­til zum Dünn­darm, die so genann­te Ileo­zäkal-Klap­pe. In der Fol­ge gelan­gen Bak­te­ri­en aus dem Dick­darm in den Dünn­darm, die dort eigent­lich gar nichts ver­lo­ren haben. Dadurch wird die Dünn­darm­schleim­haut gereizt und es ent­ste­hen Ent­zün­dun­gen, wodurch ein spe­zi­el­ler Ent­zün­dungs­pa­ra­me­ter im Blut (CRP Wert) mess­bar anstei­gen kann.

Wei­ter­hin bin­det der Frucht­zu­cker wich­ti­ge Sub­stan­zen, die dann aus dem Darm nicht mehr auf­ge­nom­men wer­den kön­nen. Kup­fer und Zink gehen eben­so ver­lo­ren wie die ganz wich­ti­ge essen­ti­el­le gehirn­ak­ti­ve Ami­no­säu­re Tryp­tophan, aus der in unse­rem Gehirn das Glücks­hor­mon Sero­to­nin ent­steht. Dar­um kann aus einer bana­len Nah­rungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­keit eine hand­fes­te Depres­si­on ent­ste­hen. Und da aus dem Sero­to­nin das Schlaf­hor­mon Mela­to­nin gebil­det wird, braucht man sich bei einer Fruk­to­se­into­er­lanz über Schlaf­stö­run­gen auch nicht mehr zu wun­dern. Jetzt kön­nen Sie ver­ste­hen, war­um ich in mei­ner Pra­xis die­se Nah­rungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­kei­ten sehr ernst neh­me und auch die Spu­ren­ele­men­te und essen­ti­el­len Ami­no­säu­ren im Blut mei­ner Pati­en­ten messe.

Offi­zi­ell sind wir laut der „seriö­sen Medi­zin“ auto­ma­tisch aus­rei­chend mit die­sen Nähr­stof­fen ver­sorgt. Dar­um braucht man sie per Defi­ni­ti­on gar nicht erst zu mes­sen. Durch jah­re­lan­ge Erfah­rung weiß ich lei­der, dass der Man­gel häu­fi­ger vor­kommt als der Nor­mal­zu­stand. Und statt die dar­aus resul­tie­ren­den Pro­ble­me bei der Wur­zel zu fas­sen, wer­den vom Haus­arzt bei den ent­spre­chen­den Sym­pto­men viel zu oft Medi­ka­men­te ver­ord­net, anstatt nach der Ursa­che zu for­schen. Gegen die sehr häu­fig vor­kom­men­den Schlaf­stö­run­gen gibt es Schlaf­ta­blet­ten, und Anti­de­pres­si­va stel­len mitt­ler­wei­le einen Mil­li­ar­den­markt dar.

Die Fruk­to­se­into­le­ranz kann man genau wie die zweit­häu­figs­te Unver­träg­lich­keit, die Lak­to­se­into­le­ranz durch einen Test dia­gnos­ti­zie­ren, wobei der ent­ste­hen­de Was­ser­stoff in der Atem­luft gemes­sen wird (H2 Exha­la­ti­ons­test). The­ra­peu­tisch muss dann erst ein­mal das Obst (bzw. die Milch) gemie­den wer­den. Aus­nah­me sind Kak­tus­fei­gen und Papa­ya, die kei­ne Fruk­to­se ent­hal­ten. Wenn sich das Sys­tem nach eini­ger Zeit wie­der beru­higt hat, wer­den klei­ne­re Men­gen Obst in der Regel wie­der ver­tra­gen. Begin­nen soll­te man mit Apri­ko­sen und Bana­nen, da dar­in mehr Glu­ko­se als Fruk­to­se ent­hal­ten ist. Trotz­dem soll­te auch spä­ter der Gemü­se­an­teil den Obst­an­teil deut­lich überwiegen.

Zusätz­lich emp­fiehlt es sich, ein­mal die Darm­flo­ra unter­su­chen zu las­sen. Dazu soll­te man aller­dings ein spe­zia­li­sier­tes Labor kon­sul­tie­ren. Oft ist die gesun­de Darm­flo­ra z.B. durch Anti­bio­ti­ka irgend­wann in der Ver­gan­gen­heit zer­stört wor­den. Das kann zum so genann­ten „leaky gut Syn­drom“ füh­ren. Dabei wird die Darm­schleim­haut so groß­po­rig, dass noch unver­dau­te Nah­rungs­par­ti­kel in die Blut­bahn gelan­gen – was dann noch viel mehr Unver­träg­lich­kei­ten und All­er­gien aus­löst. In der her­kömm­li­chen Medi­zin spielt die Darm­flo­ra nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Dabei tum­meln sich im gesun­den Darm mehr nütz­li­che Bak­te­ri­en, als wir Kör­per­zel­len haben. Wenn die Darm­spie­ge­lung unauf­fäl­lig aus­ge­fal­len ist – bei der aber über­haupt kei­ne Bak­te­ri­en unter­sucht wer­den – gilt der Darm als gesund. Da die nor­ma­le Medi­zin den Darm kaum beach­tet, haben sich die Heil­prak­ti­ker auf die­ses Gebiet spe­zia­li­siert. Im Gegen­satz zu vie­len mei­ner Berufs­kol­le­gen habe ich kei­ne Berüh­rungs­ängs­te, was gute Heil­prak­ti­ker anbe­trifft. Im Gegen­teil: ich arbei­te sogar eng mit ihnen zusam­men. Gemein­sam haben wir schon so man­chen Darm saniert und Unver­träg­lich­kei­ten behoben.

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2 Kommentare zu „Nah­rungs­mit­te­l­un­ver­träg­lich­kei­ten“

  1. Hal­lo. Ich woll­te fra­gen ob sie auch Fern­be­ra­tung ent­we­der schrift­lich oder per Video­chat durch­füh­ren? Die nöti­gen Wer­te wür­de ich dann auf Anwei­sung selbst in einem Labor bestim­men las­sen. Lie­be Grüße

  2. Bernhard Ströbel

    Kann eine Lebens­mit­te­l­un­ver­träg­lich­keit durch die Ein­nah­me von NSAR in Kom­bi­na­ti­on mit Paracetamol/Ibuprofen ent­ste­hen? Bin 57 Jah­re alt, männ­lich, und hat­te bis zur Ein­nah­me die­ser bei­den Medi­ka­men­te, kei­ne nen­nens­wer­ten Lebensmittelunverträglichkeiten.
    Ich freue mich über einen Hinweis.

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Dr. med. Spitzbart

Dr. med. Spitzbart

Facharzt für präventive und orthomolekulare Medizin

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Dr. Spitzbart ist spezialisiert auf präventive und orthomolekulare Medizin und leitet die erste Praxis in Österreich für Gesunde.

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